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Singapurer Team testet personalisierte Hirnstimulation bei schwerer Zwangsstörung, als Nächstes folgt die Depression

5. November 2026, 01:05Quelle: PR Newswire
Singapurer Team testet personalisierte Hirnstimulation bei schwerer Zwangsstörung, als Nächstes folgt die Depression
Bild: PR Newswire

Forschende des National University Hospital (NUH) und der NUS Medicine in Singapur berichten über ermutigende erste Ergebnisse aus einer der weltweit ersten Studien, die die transkranielle Magnetstimulation (TMS) bei schwerer Zwangsstörung anhand "kausaler" Hirnschaltkreise steuert. Eine zweite Studie mit Patientinnen und Patienten mit Depression und Angststörung beginnt im Oktober 2026.

Das Wichtigste in Kürze
  • NUH und NUS Medicine haben eine der weltweit ersten Studien abgeschlossen, die fMRT-gesteuerte iTBS anhand kausaler Schaltkreise bei schwerer Zwangsstörung einsetzt.
  • Von vier aufgenommenen Teilnehmenden absolvierten zwei 40 Sitzungen über fünf Tage; bei einem sanken die Symptome um 78 Prozent, beim anderen um 35 Prozent.
  • Eine iTBS-Sitzung dauert etwa neun Minuten, gegenüber den herkömmlichen 37,5 Minuten.
  • Eine zweite Studie zu Depression mit Angststörung soll 30 Teilnehmende gewinnen und läuft von Oktober 2026 bis Anfang 2029.

Eine personalisierte Alternative zur einheitlichen TMS

Nach Angaben der Mitteilung hat die TMS vielen Menschen mit einer Major Depression geholfen. In der Standardpraxis werden die Protokolle meist einheitlich angewendet: Eine elektromagnetische Spule gibt bei jedem Patienten Magnetimpulse an dieselbe vordefinierte Hirnregion ab.

Das NUH und die Yong Loo Lin School of Medicine der National University of Singapore (NUS Medicine) erproben in zwei Studien ein stärker maßgeschneidertes Verfahren. Sie kombinieren moderne Bildgebung des Gehirns mit einer individuellen TMS-Zielsteuerung, um jene Hirnschaltkreise zu finden und zu behandeln, die mit den Symptomen des jeweiligen Patienten zusammenhängen. Die Studien leiten Adjunct Associate Professor Tor Phern Chern vom NUH und Associate Professor Thomas Yeo von der NUS Medicine.

Die Mitteilung verweist als Kontext auf frühere Forschung. Eine klinische Studie zur Standard-TMS zeigte eine Ansprechrate von 21 Prozent. Eine separate Studie zur personalisierten TMS (pTMS) berichtete, dass 70 Prozent der Teilnehmenden im Monat nach der Behandlung ansprachen und 31 Prozent nach 12 Wochen weiterhin ein Ansprechen zeigten.

Der Ablauf ist in beiden Studien gleich. Zunächst kartiert die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) am NUS Medicine Centre for Translational Magnetic Resonance Research die Hirnschaltkreise jedes Teilnehmers. Ein Algorithmus, der ursprünglich von Yeo und Dr. Ru Kong entwickelt wurde, analysiert die Aufnahmen. Die Ergebnisse steuern einen robotischen Neuronavigationsarm, der eine intermittierende Theta-Burst-Stimulation (iTBS) abgibt. Eine iTBS-Sitzung dauert etwa neun Minuten, gegenüber den herkömmlichen 37,5 Minuten. Die Behandlung findet am Centre for Interventional Psychiatry des NUH statt.

Die Teilnehmenden erhalten zudem häufige, wiederholte fMRT-Untersuchungen, was nach Angaben der Forschenden in routinemäßigen TMS-Studien nicht üblich ist. So lässt sich verfolgen, wie sich die Hirnschaltkreise während der Behandlung verändern und wie dies mit der Besserung der Symptome zusammenhängt.

Erste Ergebnisse bei Zwangsstörung von vier Teilnehmenden

Laut der Mitteilung gehört die Zwangsstörung zu den am schwersten behandelbaren psychischen Erkrankungen. Die einzigen zugelassenen Medikamente gehören einer Klasse an, den Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, und 40 bis 60 Prozent der Patienten sprechen nicht ausreichend darauf an. Für Betroffene, bei denen Medikamente und Psychotherapie scheitern, bleibt als intensivste Option die tiefe Hirnstimulation (DBS), die einen Eingriff am Gehirn erfordert. Eine nicht personalisierte Form der TMS, die in den USA seit 2018 für Zwangsstörungen zugelassen ist, hilft etwa 40 Prozent dieser Patienten, stimuliert aber in jedem Fall dieselbe Region.

Die abgeschlossene Studie nutzte kausale Schaltkreise, in denen die DBS nachweislich Zwangssymptome lindert, um eine allgemeine Behandlungsregion zu bestimmen. Diese Region wurde dann mithilfe der fMRT und des an der NUS Medicine entwickelten Algorithmus auf das individuelle Default-Mode-Netzwerk jedes Teilnehmers verfeinert. Anders als die DBS ist die pTMS nicht invasiv und erfordert keine Operation.

Vier Personen mit schwerer, behandlungsresistenter Zwangsstörung wurden zwischen Januar und Juli 2026 aufgenommen. Zwei brachen vor Abschluss der Behandlung ab. Die beiden anderen absolvierten 40 kurze iTBS-Sitzungen über fünf Tage, und beide erreichten eine deutliche Verringerung der Symptome im Obsessive-Compulsive Inventory-Revised (OCI-R).

  • Bei einem Patienten sanken die Symptomwerte bis zum Ende der Behandlungswoche um 78 Prozent und lagen sechs Wochen später bei null.
  • Der andere besserte sich allmählicher, mit einer Verringerung um 35 Prozent vier Wochen nach der Behandlung. Etwa 12 Wochen später kehrten die Symptome zurück, und nach einer zweitägigen Auffrischungsbehandlung besserte sich der Patient erneut deutlich.

Tor sagte: "Für Menschen mit schwerer Zwangsstörung, die Medikamente und Therapie ohne Erfolg versucht haben, gab es seit Jahrzehnten kaum wirklich neue Behandlungsoptionen." Die Stichprobe ist sehr klein, und das Team betont, dass die Ergebnisse eine weitere Untersuchung rechtfertigen, aber keinen Schluss auf die Wirksamkeit erlauben.

Größere Studie zu Depression und Angststörung

Die zweite Studie untersucht, wie sich Hirnnetzwerke und Symptome während der pTMS bei Menschen mit Depression verändern, die zusätzlich unter Angst leiden. Die Mitteilung verweist auf die Studie zur Lebensqualität des National Council of Social Service von 2025, nach der 26 Prozent der Erwachsenen leichte depressive oder Angstsymptome, 19 Prozent mittelschwere und 7 Prozent schwere Symptome haben.

Die Studie soll 30 Teilnehmende gewinnen und läuft von Oktober dieses Jahres bis Anfang 2029. Statt auf die bei Depression üblicherweise genutzte Einzelregion zu zielen, verwendet sie zwei Arten personalisierter Ziele, die mit depressionsbezogenen und angstbezogenen Schaltkreisen verknüpft sind. Die Teilnehmenden erhalten über 10 Monate bis zu 48 Stunden MRT-Aufnahmen. Die National Research Foundation, Singapore finanziert die Studie. Die Arbeit zur Zwangsstörung wurde durch einen Zuschuss des NUH Clinician Scientist Programme sowie Mittel des Centre for TMR an der NUS Medicine unterstützt.

Was das bedeutet

Sollte sich der Ansatz bei Zwangsstörungen in größeren Studien bestätigen, könnte er Menschen in Singapur, die auf herkömmliche Behandlungen nicht gut angesprochen haben, neue Hoffnung geben, heißt es in der Mitteilung. Die Studie zu Depression und Angststörung soll genauere, individuelle Karten von Hirnzielen für künftige pTMS-Behandlungen liefern.

Yeo sagte, die Studien seien "ein wichtiger Schritt hin zu einer präziseren und individuelleren psychischen Gesundheitsversorgung". Vorerst stützt sich die Evidenz bei Zwangsstörungen auf zwei abgeschlossene Fälle, sodass erst größere Studien zeigen werden, ob sich die Ergebnisse bestätigen.

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