Data & Society deutet Zwischenwahlen als Absage an die KI-Agenda der Tech-Branche

Das Forschungsinstitut Data & Society sieht in den US-Zwischenwahlen ein Referendum über die Tech-Branche. Die Wählerinnen und Wähler hätten das Zukunftsbild einer unaufhaltsamen, von KI beherrschten Welt zurückgewiesen. In einer am 4. November 2026 veröffentlichten Stellungnahme fordert die Gruppe den nächsten Kongress auf, KI zu regulieren und Tech-Konzerne in die Verantwortung zu nehmen.
- Data & Society bezeichnete die US-Zwischenwahlen im November 2026 als Absage an die Agenda der Tech-Branche.
- Die Gruppe sagt, die Wählenden hätten sich gegen ungebremsten Rechenzentrumsbau und die Vorstellung gewandt, der KI-Ausbau sei unausweichlich.
- Tech-Milliardäre hätten Rekordsummen in Wahlkämpfe gesteckt, und die Wählerschaft habe diesen Einfluss zurückgewiesen.
- Data & Society fordert den nächsten Kongress auf, KI zu regulieren und Tech-Konzerne zur Rechenschaft zu ziehen.
Eine Stellungnahme zum Wahlergebnis
Data & Society veröffentlichte die Stellungnahme einen Tag nach den Zwischenwahlen. Die Organisation beschreibt das Ergebnis als "Bekräftigung der amerikanischen Demokratie und Zurückweisung von Korruption, Grausamkeit und Nativismus". Zugleich sei das Resultat auch "eine kraftvolle Absage an die Agenda der Tech-Branche".
Nach Darstellung der Gruppe haben die Amerikanerinnen und Amerikaner an der Wahlurne gegen die Vision der Branche von einer KI-dominierten Zukunft votiert. Schon im vergangenen Jahr hätten die Menschen in ihren Gemeinden zunehmend dringlich Einwände erhoben, insbesondere gegen ungebremsten Rechenzentrumsbau und oligarchische Macht.
Geld, Rechenzentren und das Unausweichlichkeitsargument
Die Stellungnahme richtet sich gegen das, was sie als Kernbotschaft der Tech-Branche beschreibt: Der Ausbau von KI sei unausweichlich, die Öffentlichkeit müsse ihn schlicht hinnehmen und sich anpassen. Data & Society zufolge haben die Wählerinnen und Wähler gezeigt, dass sie diese Erzählung nicht kaufen und dass ihre Zustimmung sowie die Zukunft ihrer Gemeinden nicht käuflich sind.
Außerdem hätten Tech-Milliardäre Rekordsummen in Wahlkämpfe im ganzen Land gesteckt, um sich ein günstiges Umfeld für ihre Prioritäten zu erkaufen. Laut der Organisation haben die Amerikaner diesen Ansatz zurückgewiesen. Wählende quer durch das politische Spektrum hätten mehrere klare Präferenzen zum Ausdruck gebracht:
- gegen den Einfluss obszöner privater Geldsummen auf öffentliche Angelegenheiten
- gegen den Ausbau von Rechenzentren
- für eine bezahlbare Wirtschaft
- für eine andere, rechenschaftspflichtigere Politik
Dabei handelt es sich um die eigenen Deutungen der Organisation. Konkrete Wahlkämpfe, Stimmenzahlen oder Umfragen, die sie stützen, nennt die Stellungnahme nicht.
Ein Aufruf zu demokratischer Steuerung von KI
Data & Society wendet sich nicht gegen Technologie an sich. Technologie könne eine positive Kraft in der Gesellschaft sein, heißt es in der Stellungnahme, doch es brauche eine starke, demokratische Steuerung, damit neue Technologien wie KI nicht dazu dienen, Macht zu konzentrieren, Beschäftigte zu disziplinieren, Überwachung zu beschleunigen oder Preise zu erhöhen.
Die Gruppe sagt, das amerikanische Volk habe dem nächsten Kongress eine klare Botschaft übermittelt: KI regulieren, Tech-Konzerne zur Rechenschaft ziehen und spürbare Verbesserungen für den Alltag liefern. Zum Schluss heißt es, es sei an der Zeit, dass die politisch Verantwortlichen diesem Ruf folgen.
Was das bedeutet
Die Stellungnahme ist ein Plädoyer und keine neutrale Analyse. Sie zeigt, wie eine Forschungsorganisation die Wahl liest. Ihre Bedeutung liegt in der Rahmung: KI-Politik, der Bau von Rechenzentren und die politischen Ausgaben von Tech-Managern werden als konkrete Wahlkampfthemen dargestellt und nicht als technische Fragen. Für KI-Unternehmen und Gesetzgeber lautet die Botschaft der Gruppe, dass der Druck für Regulierung und Rechenschaftspflicht im nächsten Kongress voraussichtlich anhalten wird.
Data & Society: A Referendum on the Tech Industry: Our Statement on the Midterm Elections


